Ist es Freundschaft, jeden Tag befürchten zu müssen, der Freund habe beschlossen, es sei vielleicht doch besser, weniger intensiv befreundet zu sein und sich in unerklärte Distanz zu begeben?
Ist es Freundschaft, wenn der Freund in der zusammen verbrachten Zeit nur gute Worte für andere Menschen findet und davon auszugehen ist, dass er auch anderen gegenüber für einen als Freund kaum gutes Zeugnis reden wird. Vielleicht nicht aus böswillen, aber sicher doch aus Hemmung.
Ist es Freundschaft, wenn der Freund nie Zeit für einen hat; scheinbar alle anderen Personen in der Welt über einen zu stellen scheint und dennoch in der gemeinsam verbrachten - wenigen - Zeit, mitunter der herzlichste und innigste Mensch ist, den man zu kennen glaubt?
Ja, ich glaube, dass es trotz allem Freundschaft sein kann, solange man sich nicht verloren, vergessen fühlt. Und fühlt man sich vergessen, ist es meist die Selbstbeschwichtigung oder die Angst davor, kein Freund sei einsamer als ein schlechter Freund, die einen noch hält.
Jedoch ist es auch häufig fraglich, wie berechtigt die Einsamkeitsgefühle in einer Freundschaft sind und in großem Maße davon abhängig, ob man generell eine eifersüchtige Persönlichkeit ist, oder nicht.
Ich habe mir in den vergangenen Wochen, nein Monaten, so viele Gedanken darüber gemacht, wie man Freundschaft für sich persönlich definieren kann und obwohl mir von Anfang an klar war, dass ich einer allgemeingültigen Definition nie näher kommen werde, als der Sonne, so hoffte ich doch zumindest, für mich persönlich eine stellen zu können.
Es gelang mir nicht.
Immerhin ein paar schöne und auch kritische Aphorismen habe ich sammeln können und versuche, mich damit zufrieden zu stellen, mich in einigen von ihnen wieder zu finden.
Freundschaft fließt aus vielen Quellen, am reinsten aus dem Respekt.
Daniel Defoe
Wenn du damit beginnst, dich denen aufzuopfern, die du liebst, wirst du damit enden, die zu hassen, denen du dich aufgeopfert hast.
George Bernard Shaw
Unsere äußeren Schicksale interessieren die Menschen, die inneren nur den Freund.
Heinrich von Kleist
Es ist schlimm, erst dann zu merken, dass man keine Freunde hat, wenn man Freunde nötig hat.
Plutarch
Und doch, nach allen eventuell melodramatischen oder euphorischen Ansätzen während meiner Überlegungen, blieben mir immer Hesses Worte im Kopf:
Das Paradies pflegt sich erst dann als Paradies zu erkennen zu geben, wenn wir daraus vertrieben wurden.
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