Dienstag, 3. Januar 2012

Vater.

Ich war mir sicher, dich sterben gesehen zu haben.
Habe ich dich nicht auch begraben?
Drei Schaufeln Erde für dein Seelenheil.
Eine rote Gerbera, weil ich Liebe schenken wollte.
Aber dann kam all die Erde, die uns trennte.
Wie oft habe ich dich begraben, Papa?
Oder du mich?
Die Erinnerung verblasst und gleicht der klaren Flüssigkeit in meiner Hand.
Wasser oder Rum? Wer weiß das schon.
Auf deinem Grab liegend schreibe ich dir Briefe.
Wort um Wort voller Wünsche nach mehr Zeit.
Nach mehr wir. Nach überhaupt einem wir.
Maden zerfressen dich in meinem Kopf.
Du bist Loch um Loch, nichts Greifbares.
Eben bin ich aufgewacht.
Im Traum bis auf den Sarg hinab gegraben, verschmiert von oben bis unten mit Muttererde.
Der Sarg. Leer.
Denn du bist nie wirklich gestorben.
Nur aus meinem Leben hast du dich hinausgestorben.
Ich zerrupfe die Gerbera. Rot.
Und schlafe in dem Sarg ein, den mein inneres Kind erbaut hat.
Gute Nacht, Papa.

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